Geschichte

1797 erhielt Georg Christian Keil zusammen mit dem damaligen Rektor D. Friedrich Delbrück die erforderliche Konzession zur Gründung einer neuen Buchhandlung in Magdeburg. Am 27. 11. des gleichen Jahres begann sein Patensohn

 



Wilhelm (von) Heinrichshofen eine Lehre in der neuen Verlagsbuchhandlung Keil.

Um diese Zeit waren es noch nicht Musikalien, die das Profil der Verlagsbuchhandlung prägten, sondern bedeutende Veröffentlichungen auf den Gebieten der Theologie, Medizin, Philosophie, Rechtswissenschaft und der Belletristik.

Das Wachstum der Verlagsbuchhandlung machte 1800 den Umzug in ein größeres Gebäude notwendig, in das Haus „Zum großen Christoph“, in dem sie (145 Jahre!) bis zu Ausbombung am 16. Januar 1945 residierte.

Nach dem Tod von Christoph Keil ging die Firma 1806 in den alleinigen Besitz von Wilhelm von Heinrichshofen über, der sich vielfältig engagierte:

 

Er war vor allem Verlagsbuchhändler und gab von 1808 – 1848 insgesamt 592 Bücher heraus. Er bildete viele bekannte Buchhändler aus ganz Deutschland aus und fuhr u.a. vom ersten Jahr seiner Selbständigkeit an alljährlich (bis 1876) mit Pferd und Wagen zur Ostermesse nach Leipzig.

 

Darüber hinaus wirkte Heinrichshofen bei der Organisation des „Großen Deutschen Musikfestes“ mit, das 1821 in Magdeburg stattfand. In Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Francke wurde 1828 die „Neue Stadttheater AG“ in Magdeburg eingerichtet. Der unmittelbare Kontakt mit der Bühne führte dazu, dass eine Konzertdirektion dem Unternehmen angeschlossen und das Verlagsprogramm um einen Bereich erweitert wurde.

 

Mit Henriette Sonntag, Alfredo Catalani, Wilhelmine Schröder-Devrient, Niccolò Paganini, Albert Lortzing, Franz Liszt, Heinrich Marschner, Johann Nepomuk Hummel, Louis Spohr, Richard Wagner (1835-1836 Kapellmeister in Magdeburg) usw. hat Heinrichshofen in guter geschäftlicher Verbindung gestanden. Richard Wagner schickte 1872 einen Zweig vom Lorbeerkranz anlässlich der Grundsteinlegung des Festspielhauses in Bayreuth als Zeichen seiner dankbaren Verbundenheit an Wilhelm Heinrichshofen.

 

1840 nahm Wilhelm von Heinrichshofen seinen Sohn Theodor als Teilhaber in die Firma auf. Damit war nicht nur die Fortführung des Unternehmens gesichert, sondern es wurde auch den gestiegenen Anforderungen Rechnung getragen.



Theodor von Heinrichshofen übernahm den weiteren Ausbau des Musikverlages. 1856 wurde ein eigener Geschäftszweig Notenstich und Musikaliendruck eingerichtet.

Damals als „Marktlücke“ erkannt, wurden folgende Verlagsbereiche besonders gepflegt:

 

  • Lehrwerke für den „modischen“ Klavierunterricht

  • gängige Tanzmusik sowie mit besonderem Anspruch die „Gehobene Unterhaltungsmusik“

  • ein besonderer Schwerpunkt (und bis heute wichtig) war die Weihnachtsmusik, z. B. von Ernst Simon - hier war der junge Musikverlag lange führend

Werke namhafter Komponisten wie Hector Berlioz, Franz Liszt, Carl Loewe, Heinrich Marschner, Robert Schumann usw. fanden den Weg in das Verlagsprogramm.

Die Bedeutung des Unternehmens über den lokalen Bereich hinaus wurde 1860 noch intensiviert durch die Angliederung einer Kunsthandlung und einer Gemäldegalerie sowie die Einrichtung einer Musikalien-Leihanstalt mit über 100 000 Bänden.

1876 zog sich Wilhelm Heinrichshofen aus den Geschäften zurück und verstarb 1881.

 

1881 trat



Adalbert Heinrichshofen, Stiefsohn von Theodor, nach Abitur und Ausbildung beim freundschaftlich verbundenen Musikverlag Bote & Bock in Berlin und Vervollkommnung seiner pianistischen Ausbildung bei Franz Liszt in Weimar als Prokurist in die Firma ein.

 

1890 verkaufte Theodor von Heinrichshofen (gestorben 1901) die Firma an seinen Stiefsohn. Gleichzeitig erfolgte ein großer Umbau bzw. Ausbau, um zusätzlich eine Pianofortehandlung einzurichten, die renommierte Klavierfabriken wie z.B. Steinway und J. Blüthner vertrat.

Zusätzlich wurde das Verlagsprogramm erweitert durch die Übernahme alter bekannter Musikverlage:

  • 1901 Max Schimmel, Berlin

  • 1902 Verlag des Königlichen Hof-, Buch- und Musikalienhändlers Max Bahn, Berlin (Werke von Carl Maria von Weber, Spontini, Carl Loewe, Zelter, aber auch Erstausgaben Bachscher Werke - wie z. B. die Johannes-Passion)

  • 1905 Luckhardt´s Verlag, Stuttgart (vor allem Vokalmusik)

  • 1912 Albert Rathke Verlag, Magdeburg (Unterrichtsmusik)

 

Noch vor dem 1. Weltkrieg gelang es Adalbert Heinrichshofen mit der vielbändigen „Neuen Instructiven Ausgabe“, die die Veröffentlichung der klassischen Klavierliteratur von Theodor Wiehmayer zum Inhalt hat, weltweite Anerkennung zu finden. Der erste Preis mit goldener Medaille auf der BURGA in Leipzig sowie erste Preise auf den Weltausstellungen in Wien, Chicago, und St. Louis unterstreichen das. Namhafte Komponisten der Zeit wie Karl Blume, Max Bruch, Ferruccio Busoni, Engelbert Humperdinck, Fritz Jöde, Hugo Kaun, Robert Kothe, Walter Niemann, Sepp Summer konnten in das Verlagsprogramm aufgenommen werden.

 

Nach dem 1. Weltkrieg erschien von Karl Blume „Grün ist die Heide“ nach einem Gedicht von Hermann Löns, erstmals vorgetragen in einem Schützengraben während des 1. Weltkrieges – die dabei benutzte Gitarre kam nach dem Tode des Autors zum Verlag. 

1920 trat Theodor Heinrichshofen jr. - der Sohn von Adalbert Heinrichshofen - nach einer Ausbildung bei P.J. Tonger, Köln und C.A. Klemm, Leipzig in die Firma ein.

 

1924 kam es zur ersten Teilung des Unternehmens:

 

Adalbert konzentrierte sich von nun an auf die Tätigkeit des selbständig gewordenen Musikverlages. Es wurde ein Orchesterkatalog geschaffen.

 

Alle übrigen Geschäftsbereiche einschließlich einer inzwischen entstandenen Rundfunk- und Grammophonabteilung wurden als größtes Unternehmen seiner Art in der Region Magdeburg von Theodor Heinrichshofen jr. und später seiner Ehefrau und deren Kindern bis zur Zerstörung am 16. Januar 1945 weitergeführt, danach bis zur Enteignung in verschiedenen Ausweichräumen von der Familie geleitet.

 

1927 konnte die „Maestoso-Reihe“ aus dem Drei-Masken-Verlag, eine Sammlung aller klassischen Werke wie Ouvertüren, Symphonien, Fantasien und Stücke für Orchester übernommen werden.

 

Damals angesagte Komponisten der „Gehobenen Unterhaltungsmusik“ wie Nico Dostal, Carl Robrecht, Ernst Fischer, Franz Grothe, Jonny Heykens, León Jessel, Hanns Löhr zierten das Verlagsprogramm genauso wie Orchesterwerke herausragender Komponisten wie Richard Strauß, Francesco Malipiero, Franz Schreker und Arnold Schönberg.

 

 



Otto-Heinrich Noetzel, der Enkel von Adalbert Heinrichshofen, trat 1932 in den Musikverlag „Heinrichshofen´s Verlag“ ein, um nur noch wenige Monate zusammen mit seinem Großvater bis zu dessen Ableben in der Firma zusammen zu arbeiten.

 

Im gleichen Jahr konnte der Verlag Edition Adler mit herausragenden Werken der Zeitgenössischen Musik erworben werden wie z.B. Eugen d´Albert, Leo Blech, Max Brand, Henry Dixon Cowell, Edwin Fischer, Charles Ives, Wilhelm Kempff, Mark Lothar, Emil von Reznicek, Charles Ruggles, Franz Schreker, Karl Wiener. Zusätzlich erweiterten relevante Opernwerke dieses Verlags das Sortiment (d´Albert, „Mister Wu“, Haydn/Lothar „Die Welt auf dem Monde“, Richard Hagemann „Tragödie in Arezzo“, Reznicek „Der Gondoliere des Dogen“, Schreker „Christopherus“.)

 

Auch der etwas später erworbene Westend-Verlag erweiterte die Bandbreite des Verlagsprogramms.

 

Mit Autoren wie Heinz Schüngeler, Waldemar Twarz oder Erich Valentin bediente der Verlag die an Unterrichtsmusik gestiegenen Ansprüche sowie das Interesse an neu herausgegebenen Werken klassischer Meister.

 

Die künstlerische Ader von Otto-Heinrich Noetzel machte sich besonders in der äußerlichen Gestaltung der Ausgaben bemerkbar und der Heinrichshofen´s Verlag unterschied sich bald positiv von seiner Konkurrenz.

 

Die Naziherrschaft behinderte durch Verbote die Aktivitäten des vom Verlag geförderten Schaffens vieler damals unliebsamer Autoren wie Henry Dixon Cowell, Karl Geiringer, Richard Hagemann, León Jessel, Julius Klaas, Ludwig Landshoff, Joseph Gustav Mraczek, Paul A. Pisk, Hans Ferdinand Redlich, Arnold Schönberg, Franz Schreker, Karl Wiener u.a.m. Die Einrichtung einer Filiale in Wien schaffte zeitweilig Abhilfe. Durch Generalvertretungen in London und New York konnten bis in den Krieg hinein viele der in Deutschland verbotenen Werke einem Weg in die Öffentlichkeit finden.

 

Nachdem 1946 das relativ wenig beschädigte Verlagsgebäude beschlagnahmt worden war, wurde der Firmensitz in die 1942 errichtete Leipziger Zweigniederlassung verlegt. Die Verweigerung von Drucklizenzen (außer für Kunstpostkarten) verhinderte den Wiederaufbau des Musikverlags, so dass der Geschäftsbetrieb durch ein Musikalien-Großsortiment erweitert wurde. Die Umstände dieser Zeit ließen einen Umzug in die Westzonen ratsam erscheinen, wodurch es 1948 zum endgültigen Umzug nach Wilhelmshaven kam.

 

 

Als neues Verlagsprojekt erfolgte der Aufbau eines Katalogs mit Musik für Blockflöten. Zunächst waren die Ausgaben weniger umfangreich und aufwendig.

 

Die wenigen westdeutschen Offset-Druckereinen waren am Druck kleiner Auflagen von Musikalien nicht interessiert. Deshalb erfolgte am 5. Januar 1950 die Aufstellung der ersten Druckmaschine und damit die Wiederaufnahme eines alten Geschäftszweigs, um zunächst den eigenen Bedarf sicherzustellen.

 

Allen Verlagen, die in Westdeutschland neu anfingen, ging es bezüglich des Musikaliendrucks ähnlich, also gab es reichlich Nachfrage nach Druckkapazitäten und die eine Maschine reichte schnell nicht mehr aus. 1953 erfolgte der Umzug ins „Heinrichshofen-Haus“,



einem ehemaligen Marinegebäude in der Liebigstraße. Die Druckerei und auch das Angebot der entsprechenden buchbinderischen Verarbeitung konnten so ausgebaut werden. Zahlreiche Musikverlage im In- und Ausland schätzten die hohe Qualität und Zuverlässigkeit.

 

Gleichzeitig wurde der Musikverlag von Otto Heinrich Noetzel im Sinne der einstmals in Magdeburg tätigen Vorfahren weitergeführt: Vor allem Schul- und Unterrichtsmusik, insbesondere auch das Klavierschulwerk von Willy Schneider, fanden in Deutschland, Europa und auch Übersee zahlreiche Kunden. Auf dem Gebiet der Ernsten Musik wurden neue Verbindungen angeknüpft zu Komponisten und Herausgebern wie Francis de Bourgignon, Helmut Degen, Hermann Erpf, Harald Sæverud, Richard Rudolf Klein, Wilhelm Keller, Dr. Arthur von Arx, Louis Ferdinand von Preußen, Hermann Schroeder, Hermann Erdlen, Prof. Heinrich Lemacher, Franz Alfons Wolpert. Arno Knapp, Fritz Koschinsky u. a. m. Auch auf dem Gebiet der gehobenen Unterhaltungsmusik wurden neue Autoren gewonnen.

 

1954 begann Otto-Heinrich Noetzel, den „Otto Heinrich Noetzel Verlag“ als Schwesterfirma aufzubauen, aus der Furcht, dass die enteignete, aber immer noch nicht gelöschte alte Firma in Leipzig die Wilhelmshavener Neuausgaben nachdrucken könnte.

 

Otto-Heinrich Noetzel hatte durch seine Ausbildung im Sortiment und Großsortiment den Absatz über den Musikalienhandel besonders im Blick. Kontakte durch Vertreter, auf den Musikmessen und seine Erfahrung waren ihm für die Weiterentwicklung des Kataloges und insbesondere die Titelgestaltung durch ihn selbst besonders wichtig und führten zum Wachstum des Verlages.

 

1957 hatte so der Verlagskatalog wieder 1300 lieferbare Titel.

 

In Europa, in dem noch die einzelnen Länder durch strenge Zollgrenzen abgegrenzt waren, war die Einrichtung von Zweigniederlassungen als Vertriebsweg sinnvoll, so dass z.B. 1954 eine Filiale in Amsterdam, 1961 in Locarno (Schweiz) und weitere Repräsentanzen in London, New York, Paris, Rom, Sydney und Wien hinzukamen.

 

1964 erwarb Otto-Heinrich Noetzel das Musik-Großsortiment Türk in Hamburg, das zu einer Schwesterfirma ausgebaut wurde und einen guten Überblick über die gesamte Branche ermöglichte und bis 2001 existierte.

 

Neue Akzente im Verlag wurde auch durch den Erwerb weiterer Verlage verwirklicht:

  • 1964 Impero Verlag, Wiesbaden mit Werken Zeitgenössischer Musik von Milko Kelemen, Jean Martinon, Makoto Moroi, Yoram Paporisz, Constantin Regamy, Josef Tal u.a.

  • 1967 wurde der Hera-Verlag, der in der Nachkriegszeit teilweise eine sehr große Bedeutung im Buchbereich hatte, gekauft. Dies war zugleich der Neubeginn des Unternehmenszweigs Buchverlag. Nach starkem Wachstum wurde dieser Zweig 1986 unter dem Namen Florian Noetzel GmbH, Verlag der 'Heinrichshofen-Bücher' verselbständigt und schied aus dem Unternehmensverband aus.

  • 1969 Verlag Vinzenz Hladky, Wien mit Gitarren und Mandolinenmusik

  • 1971 der Sirius Verlag, Berlin mit Zeitgenössischer Musik von Max Baumann, Siegfried Borris, Dietrich Erdmann, Hermann Haller, Jan Koetsier u.a.

 

Es wurden veröffentlicht:

  • erfolgreiche Werke der Autoren Klaus Huber, Franz Anton Wolpert, Wladimir Vogel, Egon Wellesz

  • Ausgaben der Musikerzieher Peter Heilbut, Gertrud Keller, Willy Schneider

  • Ausgaben der Herausgeber Alter Musik (Consortium) Herbert Kölbel, Helmut Mönkemeyer und Hugo Ruf

 

Nach 55 Jahren erfolgreicher Geschäftsführung durch die wechselvolle Zeit des 20. Jahrhunderts starb Otto-Heinrich Noetzel 1987 in Locarno.

 

Sein Schwiegersohn Dr. Viktor Kreiner und seine Ehefrau Eva Noetzel führten das Unternehmen als Geschäftsführer fort.

Bis heute befinden sich die Verlage und die Druckerei in Familienbesitz, die Geschäftsführung liegt inzwischen, nach dem jeweiligen Ausscheiden dieser letzten beiden der Familie Zugehörenden, in außerfamiliären Händen.

In den 1980er Jahren fand die überaus erfolgreiche Gitarrenschule „Fridolin“